['solid] und SDS Konstanz unterstützen Schwarzfahraktion des Konstanzer Schülerparlaments
16. November 2011Wir von linksjugend[‘solid] Konstanz und dielinke.SDS Uni Konstanz begrüßen die Aktion der SchülerInnen ausdrücklich und werden sie auch personell unterstützen. Die Schieflage wird vom KSP dabei klar und richtig benannt: Es gibt keine logische Erklärung, weswegen SchülerInnen ab 15 Jahren von den Stadtwerken wie erwerbstätige Erwachsene behandelt werden, obwohl sie über kein eigenes Einkommen verfügen. Der Sozialpass beispielsweise, den wir befürworten und den wir auch weiter ausgebaut wissen wollen, räumt erwerbslosen und prekär verdienenden InhaberInnen ein, zu vergünstigten Konditionen die Busse der Stadtwerke zu nutzen.
Unserer Auffassung nach liegt das Problem jedoch tiefer: Zum einen blicken wir auf zwei Jahrzehnte Reallohnsenkung sowie allgemeinen Sozialabbau zurück. Zum anderen sind auch die Stadtwerke teilprivatisiert und werden dadurch einer gewissen Marktlogik unterworfen. Wir als [‘solid] und als SDS stellen uns entschieden gegen diese Entwicklung: Die Gesundheitsversorgung, öffentliche Sicherheit, Bildung sowie auch öffentlicher Personenverkehr (Bus, Bahn…) etc. gehören aus unserer Sicht ohne Einschränkung in die öffentliche Hand. Steuergelder sowie staatliche Einrichtungen sind zumindest im Ansatz durch die Gesellschaft demokratisch kontrollierbar. Bei privaten, bzw. teilprivatisierten Unternehmen sieht dies anders aus.
Die Stadtwerke vollständig zu rekommunalisieren liegt allein in den Händen des Gemeinderates, die Steuern entsprechend zu erheben, um die öffentlichen Haushalte angemessen auszustatten, das ist Aufgabe der Länder (u.a. im Bundesrat) und Aufgabe der Bundespolitik. Mit den Stadtwerken in öffentlicher Hand sowie einer besseren finanziellen Ausstattung könnten die Buspreise in der Stadt generell sinken. Gerade für Erwerbslose, GeringverdienerInnen, SchülerInnen, Studierende – und auf lange Sicht für alle – sollte der öffentliche Nahverkehr aus unserer Sicht kostenlos sein.
Zu einem guten Verkehrskonzept zählt für uns auch der konsequente Abbau des Individualverkehrs. Leider scheinen die Prioritäten der Stadt Konstanz diesbezüglich anders zu liegen: Der Individualverkehr wird eher begünstigt: durch weiteren Parkhausbau in der Innenstadt, durch steigende Buspreise und teils schlechte und unzureichende Taktung (gerade in den Abendstunden und in den Vororten) erscheint es vielfach attraktiver, lieber den eigenen PKW anzuwerfen, statt den Bus zu benutzen. Auf die Suche nach einem Verkehrskonzept „autofreie Innenstadt“ begibt man sich in Konstanz leider vergebens – und das trotz eines „grünen Stadtoberhauptes“.
Ausreichende finanzielle Ausstattung der Stadtwerke bedeutet für uns aber auch ausdrücklich bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für deren Angestellte: Bereits bei den Busstreiks im Zusammenhang mit den Manteltarifverträgen der MitarbeiterInnen im Busbetrieb erklärten wir uns als [‘solid] und SDS unbedingt solidarisch mit den Streikenden. Von einem Gehalt muss man nicht nur leben können, es muss auch gesellschaftliche Teilhabe garantieren. Eine andere Möglichkeit, als dafür zu streiken, haben die BusfahrerInnen nicht. Auch auf die Familien und Angehörigen der Angestellten fällt schlussendlich ein Sinken des Reallohnes und schlechtere Arbeitsbedingungen zurück. Zum anderen macht es für uns aber keinen Sinn, für soziale Verbesserungen für SchülerInnen und Studierende zu streiken, aber an anderer Stelle (also z.B. auch bei den Kindern, deren Eltern bei den Stadtwerken arbeiten) soziale Einschnitte in Kauf zu nehmen.
Was wir auf keinen Fall wollen, ist eine weitere Spaltung der Gesellschaft. Soziale Kämpfe erfordern die Solidarität aller Menschen, sowie wir auch bei unseren Anliegen die Solidarität der gesamten Konstanzer Bevölkerung einfordern, wenn es uns um Schülertickets, Studitickets, günstigeren Wohnraum oder etwa bessere Ausbildungsbedingungen geht. An der permanenten Demokratisierung aller Lebensbereiche (also Familie, Stadt, Staat, Ausbildung, Schule, Studium etc.) ist uns gelegen. Dies kann nur geschehen, wenn die öffentlichen Kassen angemessen ausgestattet sind, um Bildung und andere öffentliche Tätigkeiten angemessen zu finanzieren. Die allgemeine politische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten läuft jedoch im Bund, im Land und auch in der Stadt Konstanz eher nach dem Willen von Konzernen, Banken und Betrieben. Politik sollte jedoch die Willensbildung der Bevölkerung abbilden und nicht nach der Pfeife der Wirtschaft tanzen. Außerdem muss Wirtschaft an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet sein. Im Moment richten sich die Menschen leider eher nach den Bedürfnissen der Wirtschaft (Reallohnkürzung, Sozialabbau, permanente Erreichbarkeit, längere Arbeitszeiten). Nur wenn sich diese Dinge ändern, steht auch einem sozialen und ökologischen Verkehrskonzept in Konstanz nichts mehr entgegen.
Veranstaltungslink: https://www.facebook.com/event.php?eid=136210929818727
Rüstungskonzerne raus aus den Unis



2010 ist es uns erstmalig gelungen, Europas größten Naziaufmarsch durch Massenblockaden zu verhindern.